Sega Game Gear Geburtstage

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30 Jahre ist es her das der Game Gear aus dem Hause SEGA das Licht des Konsolenhimmels erblickte. Und was für ein schönes Kind war er mit seinem farbigen und beleuchteten Display. Aber er war auch ungemein hungrig und frass einem die Batterien leer.

Der Game Gear war meine erste Konsole die ich mir im Alter von 14 Jahren gekauft habe und für die ich lange gespart hatte. Meine Freunde hatten alle Game Boys oder NES, während ich selber den Commodore 64 von meinem Bruder mein eigen nennen konnte. Doch die Werbung von SEGA hatte bei mir voll funktioniert und so fuhr ich mit dem Rad in die Nachbarortschaf um mir dort bei EuroSpar einen Game Gear zu kaufen. Das ich dabei den Werbeslogan „Ich kauf mir jetz nen Game Gear, ich kauf mir jetzt nen Game Gear“ vor mich hinträllerte tut hier absolut nichts zur Sache.

Es war schon ein tolles Gerät und vor allem an eine, extra zu kaufende, Funktion kann ich mich vor allem gut erinnern. Den TV Aufsatz für den Game Gear der es ermöglichte terrestrisches Fernsehen zu empfangen. Zusammen mit dem Netzteil war ich damit sehr angesagt bei der Schullandwoche am Abend, wenn ich fernsehschauen konnte.

Der größte Nachteil des Geräts war der enorme Stromhunger der als Beleuchtung verwendeten Leuchtstoffröhre. Denn diese braucht Hochspannung um zu funktionieren und dies wurde mit Hilfe einer Spule realisiert. So wurden sechs (ja SECHS!) Batterien von dem guten Stück in ca. zwei bis zweieinhalb Stunden leergesaugt.

30 Jahre später sieht es für die Game Gears eher schlecht aus wenn man nicht Hand an sie legt und die eingebauten Elektrolyt Kondensatoren (ElKo) austauscht. Denn diese haben die Angewohnheit auszulaufen und deren flüssiges Innere frisst sich dann durch das Kupfer und zerstört die schönen Geräte.

Die Folgen dieses Auslaufens sind meistens zuerst schlechter Ton oder Bildprobleme und zum Schluss ist dann meist nur mehr schwarzer Bildschirm und sonst nichts mehr zu sehen oder hören. So verhielt es sich mit zwei Geräten die ich als Spende fürs Museum erhielt. Beide Geräte waren stumm und zeigten außer der roten Power LED keinerlei Lebenszeichen.

Nach dem öffnen zeigten sie aber gleich das es höchste Zeit war die ElKos zu tauschen wie man an den angelaufenen Lötstellen und den Verfärbungen erkennen konnte. Also nichts wie runter damit. Die ging erstaunlich einfach mit meiner Heißluftlötstation, die sich inzwischen mehr als ausgezahlt hat.

Nach der Befreiung der Platinen wurden diese erstmal gereinigt und in Destilliertes Wasser mit einem Schuss Essigsäure gelegt für 20 Minuten. Da die Flüssigkeit in den ElKos meistens Basisch ist, neutralisiert die Säure im Essig diese. Danach nochmal gut mit fließendem Wasser spülen und das Board dann mit Isopropanol reinigen damit keine Rückstände bleiben und gut trocknen lassen.

Nun kommen die neuen ElKos wieder an den Platz. Ich verwende einfache Radial ElKos die es für wenig Geld zu haben gibt. Beim Einbau muss lediglich darauf geachtet werden das die goldenen Kreise auf der Platine nicht überdeckt werden dürfen da an dieser Stelle das Gehäuse sitzt.

Nachdem alle Teile wieder an ihrem Platz waren, kam die Stunde der Wahrheit. Also alles zusammengesteckt, Modul in den Schacht, Netzteil anstecken und einschalten. Finsternis. Fehlschlag? Nicht ganz. Denn wie ich nach einigen Versuchen herausgefunden habe war ein Soundmodul defekt (hier war ein Pad komplett weggeätzt) und bei beiden Geräten war die Beleuchtung defekt. Nahm man allerdings eine Taschenlampe und hielt sie an das Display so zeigte sich beim Einschalten das bekannte SEGA Logo und das Spiel lief und ließ sich steuern. Also nur ein Problem mit der Beleuchtung.

Ich fand einen Beitrag im Circuit Board wo es um einen billigen Umbau der Beleuchtung des Game Gear auf zwei weiße LEDs ging. Man benötigt dafür lediglich pro Gerät zwei weiße LED (Ultrabright) und einen 33 Ohm Wiederstand. Beides war schnell zur Hand und so wurden die Game Gears zuerst von dem Hochspannungsteil der Platine befreit, dann von der Leuchtstoffröhre. Die Röhre selber wird dann als Diffusor verwendet um das Licht besser zu streuen. Dazu einfach mit einem Dremel und wenigen Umdrehungen der Schneidscheibe, die beiden Enden des Rörchens abtrennen, dabei vorsicht vor Glassplittern.

In das Rörchen können dann die LEDs eingeschoben werden, die beiden Gummipuffer wieder draufschieben und das Ganze mit Heißkleber am Board befestigen. Den Spiegel wieder aufsetzen und nun direkt von den Lötstellen der Spule die dort anliegenden +5V abnehmen. Durch den Wiederstand wird der Strom auf die passenden 3V für die LED angepasst.

Wenn alles angeschlossen ist kann der Game Gear wieder zusammengebaut werden. Alle Schrauben wieder auf ihren Platz. Apropos Schrauben, SEGA verwendet bei der obersten Schraube einen speziellen Kopf der ebenfalls bei den Modulen des SNES verwendet wird. Wer also öfters mal Konsolen aufschraubt sollte sich ein passendes Set zulegen.

Dann erneut die große Spannung, wird es nun funktionieren? SPOILER: Ja 🙂 Nachdem das Netzteil angeschlossen, das Modul Collums in den Modulschacht geschoben war und der Einschalter in die „On“ Position gestellt wurde, erwachte der SEGA Game Gear wieder zum Leben und das bekannte SEGA Logo prangte auf dem Bildschirm in alter Pracht.

Da beim Game Gear nicht die Beleuchtung gedimmt wird, sondern nur der Durchlass des Displays bzw. der Kontrast geregelt wird, funktioniert auch das kleine Einstellrad an der Seite immer noch einwandfrei. Ein weiterer großer Vorteil des Umbaus ist auch das die Batterien nun viel länger halten, denn die beiden LED’s benötigen ja deutlich weniger Energie.

Mein Dank an Ivan Prikoszovits und Martin Pomassl für die Spende der Geräte sowie einiger Spiele. Ich bin froh das ich Euch bei Eurem nächsten Besuch im Museum die Geräte in funktionierender Form zu zeigen und ich hoffe das Ihr dann wohlige Erinnerungen haben werden beim Spielen.

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